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Das traditionelle Piano gilt hier als hybrides Schlaginstrument. Es hat zwar im Inneren Saiten, auf die mit den Tasten und Hämmern geschlagen wird, doch die sind bei guter Qualität sehr hart gespannt und entsprechend abgedämpft, sodass diese Saiten Eigenschaften von Klangstäben bekommen. Das Piano ist damit auch einem Xylophon änlicher, oder sogar einem Glockenspiel, als einem Bass oder einer herkömmlichen Gitarre. Über die vergangenen Jahrhunderte haben die besten Klavierbauer unserer europäischen Kulturgeschichte versucht die Klangeigenschaften von Saiteninstrumenten mit denen von Klangstäben im Piano zu vereinen, um so ein universelles Musikerlebnis zu erschaffen.
Diese Aufgabe gilt bis heute den größten Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeistern als die ultimative Herausforderung. Sie bieten inzwischen unzählige Lösungsvorschläge aber bis zuletzt keine einfache, allgemeingültige und voll befriedigende Lösung.
Der volle Tonumfang eines in der Vorstellung idealen Piano entspäche womöglich 97 Tasten, dabei würden die tieferen Saiten aber sehr lang, müssten so stark und so stark gespannt sein und dabei mit einer Kraft angeschlagen werden, dass kaum zu bändigende Kräfte im Inneren aufträten, deshalb haben sich Klavierbauer und Musiker früherer Zeiten für den allgemeinen Hausgebrauch auf 88 Tasten geeinigt. Moderne Konzertfügel wollen die höchsten Gipfel erreichen, gehen dabei aber mit den besten Materialien immernoch viele Kompromisse ein.
Mithilfe von Elektronik sind all diese Kompromisse heute nichtmehr nötig. Ein Keyboard ist platzsparend und für fast alle Ansprüche zu haben. Dabei ist das hohe Ideal garnichtmehr so gefragt, es soll praktikabel sein. Es darf auch billig sein. Es hat für allgemeine Zwecke einen Tonumfang von fünf Oktaven, das entspricht 61 Tasten, und ist da sehr variabel. Wenn es nicht programmierbar ist oder über MIDI eine ganz individuelle Computersoftware ansteuert, ist es normalerweise klanglich so gestaltet und gestimmt, dass es im Prinzip wieder mehr einem Glockenspiel ähnelt und garnichts mit Saiteninstrumenten gemeinsam hat.
Das hat den Vorteil, dass grundsätzlich alle Tasten miteinander beliebig kombiniert werden können. Ob das dann immer schön klingt, ist eine Frage des Geschmacks, aber der Unterschied zwischen schwarzen und weißen Tasten gibt schon einen Hinweis darauf, welche Kombination sehr vielen Menschen bisher am besten gefallen konnte, denn es gibt klanglich keinen Unterschied zwischen schwarzen und weißen Tasten.
Auch die Anordnung von schwarzen und weißen Tasten ist bei jedem Keyboard gleich. Sie folgt immer demselben Muster. Dieses Muster soll Platz sparen und hilft der sicheren Orientierung. Das Keyboard dient damit wortwörtlich als Schlüssel zum Verständnis moderner Musik. Aber obwohl es scheinbar ein Generalschlüssel ist, gibt es dennoch Unterschiede zwischen allen möglichen Arten von Musik, hier vor allem zwischen Blas-, Schlag-, und Saiteninstrumenten - Synthesizer sind automatisch mitgemeint - die nicht immer nur klangliche Unterschiede haben, und deshalb klingt ein Keyboard auch mit Orgeltönen, mit Schlagzeugtönen oder mit Geigentönen, sogar mit Ufotönen immernoch wie ein Keyboard und kann bestenfalls ein Keyboard oder halt ein elektronisches Glockenspiel mit großer Klangvielfalt sein.