Gunesim

Die erste Tonart, die ein bisschen ans Arabische anlehnt und von diesem Lied stammt – „Güneşim“, spiele ich auf Bratsche und empfinde sie ein bisschen wie Spanisch Caravan von den Doors in einer etwas außergewöhnlichen Interpretation. Sie erinnert mich auch wieder an die Zigeunertonarten, die ich vor ungefähr drei Jahren mal vorgestellt hab, hat aber eigentlich nicht viel mit diesem Motiv zu tun. Eine Gemeinsamkeit ist der von mir so genannte dramatische Ton infolge eines Halbtonschrittes vom Grundton einer Saite. Im Grunde spreche ich meiner Phantasie von den künstlich entworfenen Zigeunertonarten ja auch gewisse arabische Einflüsse zu, die womöglich aus Vorderasien stammen.

Entstanden sind die einzelnen Töne auch wieder aus einem bekannten Motiv, den harmoschen Tönen auf einem in Quinten gestimmten Instrument, die sich daraus ergeben, dass ich eine Saite gemeinsam mit der benachbarten leeren Saite spiele und Töne finde, die sich entweder melodisch – dramatisch, harmonisch oder konsonant anhören, was wohl dem harmonischen Prinzip für Bratsche und Geige entspricht, das ich auch schon hundertmal vorgestellt habe.

Was gibt es da also jetzt neues? ja, kp.. wahrscheinlich, dass ich eine fast vergessene Liebesgeschichte wiederentdeckt habe.

Und dann ist etwas wunderbares passiert.

Ganz neu ist jedenfalls auch nicht, dass ich mal wieder kompletten scheiß erzähle und alles versuche in irgendwelche Muster zu pressen. Was dann wirklich passiert ist, und wahrscheinlich voll bewusst zu erstem mal, dass ich mich einfach von meinem Gefühl leiten lassen habe und nach Gehör gespielt ohne eine einzige leere Saite zu berühren, mit dem Ergebnis, dass ich absolut nicht sagen kann, ob es sich um so etwas wie eine Tonart handelt, und wo die Töne liegen. Ich finde sie halt irgendwie, und während ich spiele hab ich schonwieder vergessen, was ich gerade gemacht habe.

Alles, was ich sagen kann ist, dass diese Viola mit ihrer Stimme für mich singt, so wie ich sie berühre, und es ist in dieser Erscheinung schon fast wieder unmöglich dieses Instrument Bratsche zu nennen, obwohl sie ja auch noch nichtmal aus richtigem Holz ist und mit halb verrosteten Stahlsaiten bespannt. Die Bratsche singt mit der Stimme einer warmen Frühlingssonne, deren Lichtstrahlen sich in hundert Strudeln eines Gebirgsbaches funkelnd brechen, wie Wasser, das aus der Finsternis tiefer Steine dem Himmel und dem grünen Tal entgegenspringt. Ich würde das schon fast Magie nennen. Es ist der Zauber von etwas vollkommen unbekannten, das aus einfachen und scheinbar unbedeutenden Dingen etwas für gewöhnliche Träume vollkommen unrereichbares macht.

Ich wollte mit dem Beitrag wahrscheinlich einfach mal zeigen, dass ich nicht den ganzen Tag vorm Computer sitze und auch noch andere Dinge meinen Geist bewegen, wenn es auch nichts gibt, was ich darauf irgendwie rational erfassen kann.